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71. Internationale Filmfestspiele Berlin - MMEANSMOVIE Berlinale Blog - Von A . Schäfer   



 

     
     
     
       
      71. Berlinale  
      Berlinale Blog   2021  
      Berlinale Bären 2021  
       
       



 
Werk ohne Kinosaal
  19.02.21  
Keine Berlinale im Februar, das haben wir jetzt alle verstanden. Der Tagesspiegel verkürzt die Wartezeit bis zum Publikumsfest im Juni mit Erinnerungen und ich überlege, welches Foto man für dieses Jahr nimmt, da es ja keine Berlinale auf dem Potsdamer Platz geben wird. Das Cinestar ist ja (nicht wegen Corona) geschlossen, einen Berlinale Palast wird es diese Jahr auch nicht geben. Eine Festival in zwei Etappen ist das Motto dieses Jahr. Zuerst eine virtuelle Etappe für die Branche und die Presse, später im Sommer dann ein Festival vor Publikum.
Wenn man für ein virtuelles Filmfestival keine Kinos mehr benötigt, bis auf die Kinos für die Jurys, die über die Preise von Wettbewerb, Berlinale Shorts, Encounters und Generation entscheiden werden, stellt sich natürlich die Frage welche Kinos unter welchen Bedingungen werden uns im Sommer empfangen (dürfen). Die Berlinale ist mit rund 330.000 verkauften Tickets das größte Publikumsfestival der Welt. Dieses Jahr dürfte alles eine Nummer kleiner sein. Statt 340 Filmen werden es nur noch 166 aus 59 Produktionsländern sein.

Ein Online-Filmfestival für die Öffentlichkeit kam nie infrage. Man hofft, so Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek, dem Publikum “die ersehnte Festivalatmosphäre” schaffen zu können, mit Vorführungen an ca. zehn Spielorten. Im Moment ist die Sehnsucht nach einer Festivalatmosphäre mit Menschen und viel Aufgeregtheit am roten Teppich größer, als der Wunsch im März gute Filme im Stream zu sehen.
 
 
 
Maren Eggert, Dan Stevens Ich bin dein Mensch | Ich bin dein Mann von Maria Schrader DEU 2021, Wettbewerb © Christine Fenzl
 
Transitraum für Kinofilme
  02.03.21  
Seit Montag läuft die Berlinale für das Fachpublikum und die Jurymitglieder der verschiedenen Sektionen. Kein roter Teppich, keine Schauspieler|innen, keine Interviews, keine Gespräche mehr nach dem Film. Um es kurz zu fassen, keine Menschen mehr, mit denen man über die Filme vor Ort und sofort diskutieren könnte. Stattdessen ein Branchen-Event, was immer man darunter zu verstehen mag, ist doch schon so viel anderes in unserem Leben ein, von wem auch immer, ausgerufenes Event. Die Filme gibt es im Netz zu sehen, was nun wirklich kein Event ist, da wir alle in den letzten Monaten Filme ohne Ende gestreamt haben. Bleibt das Wort Branche, womit dann wohl die gesamte Filmverwertungskette mit Ausnahme des Publikums gemeint ist. Was für andere Festivals normal ist, das Fehlen des Publikums, fühlt sich in Berlin dann doch nicht gut an. Die Mischung aus Publikum und Branche ist ja genau das was die Berlinale als A Festival ausmacht. Neben den 1600 Akkreditierten gibt es in Berlin noch tausende Kritiker|innen in den Kauf Vorstellung, und nicht immer sind sich beide Gruppen einig. Wie wunderbar aber das Gefühl, wenn ein Film die Herzen von Publikum und Journalisten erobert. Jetzt lesen wir die Kritiken über die Filme die Branchen-Journalisten sich im Home Office eventmäßig anschauen.

Der erste Film auf meinem Bildschirm war Ich bin dein Mensch von Maria Schrader. In dem Film erzählt Maria Schrader von der Begegnung zwischen einer Frau und einem humanoiden Roboter. ich folge den Sehgewohnheiten die ich mir in den letzten Monaten mit den einschlägigen Stream - Portalen angewöhnt habe und freue mich über einen durchaus intelligenten Film, mit Humor und schönen Bildern aus Berlin. Was lese ich in den nächsten Tagen Im Netz: “Maria Schraders Wettbewerbsfilm ist leider eine Enttäuschung.” “Maria Schraders Komödie stellt existenzielle Fragen, kratzt aber nur an der Oberfläche.” Ist mir da irgendetwas entgangen, habe ich mich täuschen lassen von meinem kleinen Fernseher oder habe ich einfach nur vergessen, dass dies ein Film im Wettbewerb der Berlinale ist, mit seinen eigenen Gesetzen und nicht eine erfreuliche melancholische Komödie im wirren Angebot eines der bekannten Stream - Portalen.

Abseits der Gesetzmäßigkeiten eines Festivalwettbewerbes sind die Schauspielleistungen von Maren Eggert und Dan Stevens gut und macht der Film über seine gesamte Länge durchaus Spass. Mehr als bei den Kritikern dürfte dieser Berlinale-Auftakt, der vielleicht unter anderen Bedingungen der Eröffnungsfilm hätte sein können, im Sommer beim Publikum ankommen.

Zweiter Versuch Természetes fény von Dénes Nagy. Der Film spielt 1943 in der besetzten Sowjetunion. Természetes fény ist auch der Name eines Romans von 2014, aus dem Nagy einen kleinen Abschnitt adaptierte. Der Film erzählt die Geschichte von István Semetka, der zu einer ungarischen Sondereinheit gehört, die Dorf für Dorf nach Partisan|innen sucht.

Dieser Film schreit regelrecht nach der großen Leinwand. Der Regisseur nimmt sich immer wieder Zeit für seine Bilder, die man sich lange anzuschauen will, um sich zurechtzufinden in den Räumen, die oft große Naturpanoramen zeigen.
Unwillkürlich fange ich an ich den großen Raum des Kinosaales mitzudenken. Die Stille am Waldesrand vermischt sich mit den Geräuschen im Saal, dem Räuspern und Husten  der Mitzuschauenden. Der Waldesrand erscheint so groß, dass ich den Kopf bewegen muss um zu sehen ob ich irgendetwas übersehe, und dann plötzlich erschein am Waldesrand fast nicht zu erkennen ein Soldat. Die Einheit gerät unter Beschuss. Major Szrnka (Tamás Garbacz), Semetkas Vorgesetzter, wird bei dem Angriff getötet. Semetka muss als Ranghöchster die Führung übernehmen und die Schuldigen für den Hinterhalt bestrafen. Ein Film über die Grauen des Krieges wie es genauso in Syrien oder sonst wo auf der Welt geschehen könnte.
 
 
Ich bin dein Mensch
von Maria Schrader
mit Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch
D 2021  105 Min.

https://www.youtube.com/Trailer
 
Természetes fény | Natürliches Licht
von Dénes Nagy
mit Ferenc Szabó, Tamás Garbacz, László Bajkó, Gyula Franczia, Ernő Stuhlr
Ungarn / Lettland / Frankreich / Deutschland 2020    103 Min.
https://www.youtube.com/Trailer



Pressespiegel
 
"Die Stars gibt’s nur in Geisterfilmen"  Von Hanns-Georg Rodek  Welt
"Von der Straße in den Himmel"  Von Nadine Lange  Tagesspiegel
"Im Land der gestohlenen Kinder"  Von Sofia Glasl  Süddeutsche Zeitung
"Sogar lustig"  Von Kathleen Hildebrand  Süddeutsche Zeitung
"Berlinale ohne Publikum: Die Quarantäne-Berlinale"   Von Daniel Kothenschulte  Frankfurter Rundschau
"Wir sind die Roboter"  Von Daniel Kothenschulte  Frankfurter Rundschau
"Das Gespenst ist aus der Kiste" Von Andreas Kilb  Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Wir sind die Roboter" Von Claudius Seidl  Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Ein Zweikampf braucht keine Moral" Von Andreas Kilb Frankfurter Allgemeine Zeitung
"Die Bilder der Pandemie"  Von Tim Caspar Boehme  taz
"Geheimnisse in der Familie"  Von Tim Caspar Boehme  taz
"Einmal Halbtotalen-Allerlei mit Schuss"  Von Anke Leweke  Zeit
"Verzweifelt liebende Männer"  Von Carolin Ströbele  Zeit
"Berlinale ohne Berlinale"  Von Carolin Ströbele  Zeit
"Die Lebenslügen eines Schauspielers"  Von Andreas Borcholte, Wolfgang Höbel und Hannah Pilarczyk  Spiegel
"Die Jury beim Berlinale-Chef auf der Psycho-Couch  Von Peter Zander  Berliner Morgenpost
"Die Kindheit ist ein wilder Wald"  Von Eberhard von Elterlein  Berliner Morgenpost
"Es ist, als hätte man es ins Berghain geschafft"  Von Susanne Lenz  Berliner Zeitung
"Sich als Wessi-Arsch zu inszenieren, ist Daniel Brühl gelungen"  Von Susanne Lenz  Berliner Zeitung



Perspektive Deutsches Kino / Berlinale Talents
  04.03.21  
Die Kompagnon-Förderpreise Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents gehen an Eliza Petkova sowie Jonas Matauschek und seinen Koregisseur Christian Johannes Koch. Gemeinsam vergeben Perspektive Deutsches Kino und Berlinale Talents seit 2017 den Kompagnon–Förderpreis für eine Projektweiterentwicklung. Teilnahmeberechtigt sind Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen eines Kurz- oder Langfilms aus dem jeweils letzten Jahrgang der Perspektive Deutsches Kino sowie in Deutschland lebende Teilnehmende der „Script Station“, „Doc Station“ oder „Short Form Station“ der aktuellen Edition von Berlinale Talents. Mit dem Kompagnon-Förderpreis möchten Berlinale Talents und Perspektive Deutsches Kino Regisseur*innen und Drehbuchautor*innen nachhaltig bei ihrer Arbeit unterstützen. Die Auszeichnung bietet neben dem Stipendium von 5.000 Euro (Kurzfilme: 2.500 Euro) ein individuell zusammengestelltes Mentoringprogramm mit berufsbegleitenden Coachings zur Stärkung der persönlichen Handschrift und zur Vernetzung in der Branche. Die Preisgewinner*innen wurden von den Juror*innen Lili Hering, Claudia Lehmann und Simon Dat Vu ausgewählt.



Huang Tian, Zhang Xinyuan in Han Nan Xia Ri (Summer Blur) by Han Shuai © FactoryGateFilms;
 
Generation Kplus und 14plus: Preise 
  04.03.21  
Aus einer Auswahl von insgesamt 15 Langfilmen und pandemiebedingt mit einer Jury für beide Wettbewerbe, haben die Mitglieder der Internationalen Jury von Generation – die Schauspielerin Jella Haase (Deutschland), der Regisseur Mees Peijnenburg (Niederlande) und die Regisseurin/Autorin Melanie Waelde (Deutschland) – folgende Gewinner verkündet:

Großer Preis der Internationalen Jury für den
Besten Film im Wettbewerb Generation Kplus

im Wert von 7.500 Euro, gestiftet vom Deutschen Kinderhilfswerk

Han Nan Xia Ri (Sommerflirren)
von Han Shuai
Volksrepublik China

Jury-Begründung:
„Der Film überzeugt durch seine starke visuelle Sprache und das hervorragende Zusammenspiel aller filmischen Ebenen. In diesem Sommermärchen, das immer wieder in einen Alptraum abzugleiten droht, ist in jeder Sekunde die Hitze spürbar, die schwüle Luft und der Druck, der auf der Hauptfigur lastet. Dabei bleibt der Fokus stets auf den Gefühlen und Wahrnehmungen der Kinder, wodurch sich der Schmerz, der die Suche nach sich selbst und dem eigenen Weg begleitet, nachempfinden lässt.“

Lobende Erwähnung im Wettbewerb Generation Kplus

Una escuela en Cerro Hueso (Eine Schule in Cerro Hueso)
von Betania Cappato
Argentinien

Jury-Begründung:
„Durch diese wunderschöne, herzerwärmende und starke filmische Vision werden die Zuschauer*innen zu einer eindringlichen spirituellen Reise eingeladen. Ein intimer und persönlicher Film, der Raum lässt und Raum schafft, nach Gemeinsamkeiten sucht, nicht nach Unterschieden, der aufgeschlossen in die Welt blickt und auf diese Weise ein feinfühliges, hoffnungsvolles Bild von Solidarität zeichnet.“

Großer Preis der Internationalen Jury für den Besten Film im Wettbewerb Generation 14plus

im Wert von 7.500 Euro, gestiftet von der Bundeszentrale für politische Bildung

La Mif (The Fam)
von Fred Baillif
Schweiz

Jury-Begründung:
„Wie ein rauschender, energiegeladener, pulsierender Herzschlag treibt dieser Film seine Figuren und die Zuschauer*innen mit schonungsloser Ehrlichkeit durch verschiedene klug miteinander verwobene Geschichten und Ereignisse. Getragen wird er dabei von fesselnden und intensiven schauspielerischen Leistungen und hält stets seine Balance zwischen Stärke und Verletzlichkeit. Dieser Film entwickelt einen Sog, lässt einen nicht mehr los und trifft mitten ins Herz.“

Lobende Erwähnung im Wettbewerb Generation 14plus

Cryptozoo
von Dash Shaw
USA

Jury-Begrundung:
„Während dieser Film feinfühlige Charaktere in einer ebenso schönen wie auch brutalen dystopischen Welt porträtiert, vermittelt er einen Hoffnungsschimmer und wirft zugleich große Fragen auf. Ein herausragendes Kunstwerk, das auf selbstverständliche Weise Themen wie Sex, Gender, Krieg, Gesellschaft und Beziehungen verhandelt. Ein Aufruf, Gesellschaft zu hinterfragen und dabei unsere Vorstellungskraft zu nutzen, um neue Perspektiven zu schaffen. Ein überwältigender, verstörender und visionärer Trip.“

„Begeistert und beeindruckt durften wir so viele unterschiedliche Teile der Welt entdecken und wurden dabei in liebevolle, aufregende und spannende Realitäten und Heimaten eingeladen. Die Filme haben uns tief berührt. Wir sind dankbar für diesen vielschichtigen Spiegel der Gesellschaft, den uns die mutigen Filmemacher*innen vor Augen führen, und uns so an ihren außergewöhnlichen Visionen teilhaben lassen“, so die drei Juror*innen.

Die Gläsernen Bären der offiziellen Berlinale Generation-Kinderjury und der Jugendjury werden dann im Juni im Rahmen des Berlinale Summer Special vergeben, ebenso wie der Preis der unabhängigen Jury AG Kino Gilde 14plus im Wettbewerb Generation 14plus.

 
 
 
Die Preise der Berlinale Shorts
  04.03.21  
Im Kurzfilmwettbewerb der Berlinale standen dieses Jahr 20 Filme zur Auswahl. Die Internationale Kurzfilmjury der Berlinale Shorts, bestehend aus dem ägyptischen Künstler Basim Magdy, der österreichischen Kamerafrau Christine A. Maier und dem deutschen Schauspieler Sebastian Urzendowsky, hat folgende Preise verkündet:

Goldener Bär für den Besten Kurzfilm

Nanu Tudor (My Uncle Tudor)
von Olga Lucovnicova
Dokumentarische Form / Belgien, Portugal, Ungarn

Silberner Bär Preis der Jury (Kurzfilm)

Xia Wu Guo Qu Le Yi Ban (Day Is Done)
von Zhang Dalei
Spielfilm / Volksrepublik China

Berlin Short Film Candidate for the European Film Awards

Easter Eggs
von Nicolas Keppens
Animationsfilm / Belgien, Frankreich, Niederlande




Maryam Moghaddam Ghasideyeh gave sefid | Ballad of a White Cow von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam IRN, FRA 2020, Wettbewerb © Amin Jafari
 
Im Schatten des Zweifels
  04.03.21  
Ein Mann wird hingerichtet. Ihm wurde vorgeworfen jemanden getötet zu haben. Ein Jahr später stellt sich durch neue Zeugenaussagen raus, dass er unschuldig hingerichtet wurde. Die Bürokratie entschuldigt sich für die Justizirrtum und stellt eine finanzielle Entschädigung in Aussicht. „Wir übernehmen die volle Verantwortung und entschädigen Sie mit dem vollen Preis für einen erwachsenen Mann.” Die Summe sind 270 Millionen Toman oder 5475 Euro. In einem Dialog zwischen zwei Richtern erinnert einer den anderen daran, dass es eine Sünde ist, die Todesstrafe in Frage zu stellen. Die Ehefrau aber möchte, dass sich der Justizapparat für schuldig bekennt.

Gerade als das Geld knapp wird, taucht ein Unbekannter auf. Er behauptet, Schulden bei dem Ehemann gehabt zu haben, die er jetzt begleichen möchte. Der Film spielt in Teheran und schließt ungewollt an „Das Böse gibt es nicht“ den Gewinnerfilm der Berlinale des letzten Jahres an. Die ersten Aufnahmen zeigen ein riesiges Gefängnis, das von hohen Mauern umgeben ist. Unter Tränen besucht Mina Babak zum letzten Mal ihren Mann, bevor er hingerichtet wird. Ihrer gehörlosen Tochter wird sie auch ein Jahr nach dem Tod des Vaters nicht die Wahrheit sagen. Schuld und Sühne macht sich an der Person des vermeintlichen Fremden fest, der seine Hilfe anbietet. Es ist Reza, dessen Identität dem Publikum frühzeitig offenbart wird. Er schleicht sich in die kleine Familie ein und scheint sowohl materiell als auch psychisch eine große Hilfe zu sein.

Ebenso wie im Film „Das Böse gibt es nicht“ stellt sich auch hier am Ende des zutiefst überzeugenden Dramas, welches von Moghaddam und Behtash Sanaeeha inszeniert und geschrieben wurde, die grundsätzliche Frage, ob die Todesstrafe gerecht ist, oder ob es vielleicht nicht doch noch andere Optionen geben könnte.
 
 
Ghasideyeh gave sefid | قصیده گاو سفید| Ballad of a White Cow
von Behtash Sanaeeha, Maryam Moghaddam
mit Maryam Moghaddam, Alireza Sanifar, Pourya Rahimisam, Avin Purraoufi
Iran / Frankreich 2020   105 Min.

Q&A vimeo.com
https://www.youtube.com/Trailer



Herr Bachmann und seine Klasse | Mr Bachmann and His Class Land: DEU 2021 Regie: Maria Speth Bildbeschreibung: Sektion: Wettbewerb 2021 Datei: 202104498_1 © Madonnen Film
 
Bindung und Transition
  05.03.21  
HERR BACHMANN UND SEINE KLASSE porträtiert die Beziehung zwischen einem Lehrer und den Schüler*innen der 6. Jahrgangsstufe. Die Dokumentarfilmerin Marie Speth hat die Klasse ein halbes Jahr lang begleitet. Im Unterricht ist Musik eine allgegenwärtige Sprache, die sich wie selbstverständlich um den zu absolvierenden Unterrichtsstoff legt. Anhand der sozialen Beziehungen in der Klasse erzählt der Film ganz beiläufig von den Strukturen einer kleinen, westdeutschen Industriestadt mit langer Geschichte, was Ausgrenzung oder Integration des Fremden betrifft. Zwangsarbeiter zur Nazizeit, Gastarbeiter zur Zeit des Wirtschaftswunders, Flüchtlinge heute. 70 Prozent der 20.000 Einwohner haben heute eine Migrationsgeschichte und die Klasse 6b ist ein Spiegelbild dessen. Die Klasse gehört zur Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf und ihr Klassen Lehrer ist Herr Bahmann.

Maria Speth die Regisseurin des Films beschreibt den Klassenlehrer der 6b: “Wenn Sie Dieter Bachmann in seiner Klasse besuchen, erleben Sie einen Lehrer, der eine persönliche, emotionale Beziehung zu seinen Schülern aufbaut. Jemand, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern seine volle Persönlichkeit mit all seinen Schwächen und Stärken einbezieht. Jemand, der keine Tabus hat und seine Schüler unbeschadet engagiert. Nicht im Dienst der politischen Korrektheit, sondern als gelebte, emotionale Offenheit ohne versteckten Groll. Er schafft eine offene Atmosphäre ohne Angst, in der sich seine Schüler sicher fühlen, wo sie sich zeigen und entwickeln können.”

Der Institution Schule misstraut er bis heute. Die 6b ist seine letzte Klasse. Im Film begleiten wir ihn und seine Schüler*innen drei Stunden lang und am Ende erscheint einem die 217 Minuten der Langzeitdokumentation angemessen und nie langweilig, so dass man sich am Ende als ein beobachtender Teil der Klasse fühlt. Wir fiebern mit, sind niedergeschlagen, schämen und freuen uns mit den Jugendlichen von Herrn Bachmanns Klasse. Am Ende des Films kommt die Klasse noch einmal in dem Klassenzimmer zusammen. Ein neuer Abschnitt des Lebens steht den Schüler*innen bevor. Zurück bleiben wir und Herr Bachmann. Die Kamera zeigt ihn von hinten wie er in das leere Klassenzimmer schaut und sich eine Träne aus dem Gesicht wischt.
 
 
Herr Bachmann und seine Klasse
Regie: Maria Speth
mit Dieter Bachmann und den Schüler*innen der Klassen 6 b und 6 f der Georg Büchner Gesamtschule in Stadtallendorf
Dokumentarfilm, Deutschland 2021   217 Min.
Q&A vimeo.com
https://www.youtube.com/Trailer



One Step Beyond
  05.03.21  
Der Berlinale etwas Gutes abzugewinnen wird bei zunehmendem Sonnenschein und einer kaum zu überhörenden Stille in der Wohnung immer schwieriger. Einen Film mit anderem Mesnchen gemeinsam zu sehen bedeutet in diesen Tagen, sich einen Film auf einer Plattform aussuchen und gemeinsam mit Freunden im Show Room, also der virtuellen Couch, genießen. Mit Streamparty lassen sich Filme und Serien gemeinsam ansehen, ohne sich physisch treffen zu müssen. Dazu benötigt man lediglich einen Rechner mit Internetverbindung. Es wird also weiter daran gearbeitet das Kino als realen Raum abzuschaffen und dieses in den virtuellen Raum zu übertragen. Das Kino leidet unter der Coronakrise, und Streamingdienste machen den immer noch geschlossenen Kinos das zukünftige Leben nicht leichter.
Vom Trailer zum kompletten Film in zwei Klicks, das hat Sehgewohnheiten verändert. „Warum ist mein Arzt 10 Straßen entfernt und nicht nur einen Klick? Warum können wir Gesundheit nicht neu denken?“, hieß es auf einem Plakat der Internetapotheke DocMorris. Nachdem der Hausärzteverband scharf gegen die aktuelle DocMorris-Werbung protestiert hat, wurde das Motiv der Kampagne zurückgezogen. Die Idee, die diese Kampagne vermittelte ist aber auch auf das Kino zu übertragen. Warum ist das Kino so weit weg, wenn der Film doch nur ein Klick entfernt ist. Kollektiverlebnis Kino gegen individualisierten Filmkonsum ist ja nichts Neues. Doch mit der Verkürzung der Wartezeit, oder auch der Gleichzeitigkeit der Veröffentlichung zwischen Film im Kino und Film auf Plattform hat sich etwas radikal verändert.

Warum im Sommer ins Kino gehen, wenn der Film doch in dieser Woche mit einem Klick erreichbar ist.
 



Berlinale Bären
  05.03.21  
Der Goldene Bär geht an die "Bad Luck Banging or Loony Porn" des rumänischen Regisseurs Radu Jude. Der Film erzählt von einer Lehrerin, die wegen eines privaten Sexvideos in Schwierigkeiten gerät. Der Große Preis der Jury ging an Ryusuke Hamaguchis Dialogdrama "Guzen to sozo".

Maren Eggert wird bei der Berlinale für ihre Schauspielleistung in in Maria Schraders "Ich bin dein Mensch"  mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet. Erstmals werden die Schauspielpreise nicht mehr getrennt nach Geschlecht vergeben, sondern für Haupt- und Nebenrolle. Der Silberne Bär für die beste Leistung in einer Nebenrolle geht an Lilla Kizlinger. Sie spielt in "Forest: I See You Everywhere" des ungarischen Regisseurs Bence Fliegauf mit. Der Silberne Bär "Preis der Jury" geht an die Dokumentation "Herr Bachmann und seine Klasse".

Wegen der Pandemie fanden die Filmfestspiele nur online statt. Im Juni soll es ein öffentliches Festival, das "Berlinale Summer Special", geben. Dann ist auch eine Preisverleihung geplant. Insgesamt gingen in diesem Jahr 15 Wettbewerbsfilme ins Rennen um den Goldenen und die Silbernen Bären.


Die Jury des zweiten Wettbewerbs "Encounters" vergab die Preise an Alice Diops "Nous" (Bester Film), an "Taste" von Le Bao (Spezialpreis der Jury) und an Ramon Zürcher für "Das Mädchen und die Spinne" (Regie).
Der Jury gehörten die argentinische Festivalleiterin Cecilia Barrionuevo, die französische Filmkuratorin Florence Almozini und der deutsche Poptheoretiker Diedrich Diederichsen an.

Wettbewerb:
Goldener Bär für den Besten Film:
„Bad Luck Banging or Loony Porn“ von Radu Jude
Großer Preis der Jury: „Wheel of Fortune and Fantasy“ von Ryusuke Hamaguchi
Preis der Jury: „Herr Bachmann und seine Klasse“ von Maria Speth
Beste Regie: Dénes Nagy für „Natural Light“
Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle: Maren Eggert in „Ich bin dein Mensch“ von Maria Schrader
Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle: Lilla Kizlinger in „Forest – I See You Everywhere“ von Bence Fliegauf
Bestes Drehbuch: Hong Sangsoo für „Introduction“ von Hong Sangsoo
Herausragende Künstlerische Leistung: Yibrán Asuad für die Montage von „A Cop Movie“ von Alonso Ruizpalacios

Encounters:
Bester Film: „Nous“ von Alice Diop
Spezialpreis der Jury: „Taste“ von Lê Bảo
Beste Regie: „Das Mädchen und die Spinne“ von Ramon Zürcher und Silvan Zürcher, wie auch: „Sozialhygiene“ von Denis Côté




Pressespiegel
"Pech beim Vögeln, Glück im Kino"  Von Hannah Pilarczyk  Spiegel
"Und am Ende steht eine Umarmung"  Von Anke Leweke  Zeit
"Drastik als große Kunst"  Von Tim Caspar Boehme  taz




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